DIE INTENSIVSTE FORM DER LIEBE IST: SEHNSUCHT

Ein Artikel von GreatL!feBooks Autor Bruno Würtenberger, Bewusstseinsforscher und Trainer.

Die intensivste Form der Liebe ist: Sehnsucht

Immer wieder wird die Schönheit und Intensität der Sehnsucht vergessen. Kaum finden sich zwei, die sich als freie Menschen begegnen, haben sie nichts weiter im Sinn, als jeden Augenblick gemeinsam zu verbringen und aneinanderzukleben. Sie würden am liebsten gänzlich in den anderen hineinschlüpfen, um immer und überall mit dabei zu sein. Das ist für Verliebte die Normalität. Aber es ist krank. Was sie damit tun, ist: Sie töten die Liebe. Ja, sie opfern die ursprüngliche Liebe und Freiheit, die sie letztlich zueinander geführt hat, dem schwindenden Hauch der Verliebtheit. Das ist sehr töricht. Verliebtheit hält meistens für maximal acht oder neun Monate, dann verschwinden alle Hormone wieder und was übrig bleibt, ist ein bloßer Schatten der anfänglich so heiß glühenden Liebe.

In dieser kurzen Zeit hat man es geschafft, so enge Bande zu knüpfen, dass mindestens einem die Luft zum Atmen wegblieb. Fortan wird diese Beziehung zu einem reinen „Wiederbefreiungsprojekt“. Der Kampf um Wiederbelebung wird erst dann zu Ende sein, wenn es wieder auseinandergeht. Manchmal erst viele Jahre später. Das nennt man dann ganz romantisch: einen Rosenkrieg. Schon komisch, oder nicht? Zuerst verspricht man sich den Himmel auf Erden, dann ist man aber nicht einmal in der Lage, dem anderen die nötige Luft zu lassen, die er braucht, um zu überleben und sich zu entfalten. Das ist der Schatten, der fällt, wenn Liebe zu strahlen beginnt.

Kennst Du Sehnsucht? Weißt Du, wie es ist, Dich in der Sehnsucht nach jemandem zu verzehren? Das ist Liebe. Liebe braucht Raum, braucht Distanz, braucht viel Luft dazwischen, ansonsten kann sie nicht bestehen. Liebe braucht Luft zum Atmen. In einer Liebesbeziehung gibt es Zeiten der Nähe und Zeiten der Distanz, Zeiten des engen Beisammenseins und Zeiten des Getrenntseins, dabei kann das Getrennt-Sein in seiner Qualität an Erfahrung der Liebe um ein Vielfaches intensiver sein als das Zusammensein. Das kennst Du bestimmt, oder? Sehnsucht ist wundervoll. Sie ist wundervoller als das zu konkret zu leben, wonach man sich sehnt. Man kann es besser, leichter und intensiver fühlen, als wenn es da ist. Das Zusammensein kommt dann der Entspannung gleich. Dann ist es einfach nur. Eigentlich sollte es so immer sein, so, dass man immer wieder mal ein paar Stunden oder Tage zusammen sein darf, nicht umgekehrt. Das sollte die Regel sein.

Deshalb achte darauf, dass es immer wieder genügend Raum zwischen Euch gibt. Bleibt frei! Erfüllt Euch nie alle Wünsche, achtet auf das richtige Maß an Distanz. Bleibt in der Sehnsucht. Das Schöne an der Sehnsucht ist, dass sie nie Sicherheit bieten wird. Sie beinhaltet immer ein großes Maß an Unsicherheit und das ist gut so. Unsicherheit ist wie die Luft zum Atmen, die Grundvoraussetzung dafür, dass Liebe nicht zur Gewohnheit werden kann. Ist das Zusammensein erst mal zur Gewohnheit geworden, so verliert sich die Liebe und erstickt vor lauter trauter Zweisamkeit. Im Schatten der Liebe findet sich also nicht die Unsicherheit, denn die gehört zum Licht, gehört zum Leben, ist die Liebe selbst, sondern im Schatten der Liebe findet sich die Sicherheit. Es ist nicht leicht, das zu verstehen, ich weiß. Aber beobachte es doch mal.

Alle Beziehungen laufen mehr oder weniger nach demselben Schema ab und enden meist am gleichen Punkt. Entweder man trennt sich streitend oder man arrangiert sich. Lieben heißt teilen. Und das Wichtigste, das es zu teilen gilt, ist Freiheit, Raum und Vertrauen. Nicht, dass Du Deine Liebe einschränken solltest, nur um dem anderen gerecht zu werden, nein, Du sollst lieben aus ganzem Herzen, um dem anderen zu mehr davon zu verhelfen. Das ist Liebe. Hilf Deinem Geliebten, Deiner Geliebten, frei zu sein, und es besteht niemals Bedarf an mehr Freiheit, Vertrauen oder Luft zum Atmen. Wenn Du wirklich liebst, dann sei also weise, nicht bloß verliebt, sonst sind die Tage des Glücks gezählt.

Liebe ist eine Kunst, eine Fertigkeit, die durch fehlende Bewusstheit geschändet und ruiniert wird.

Liebe ist wie eine zarte, kraftvolle Blume. Sie muss sorgfältig gepflegt und behandelt werden. Man muss sie genau kennen, um richtig mit ihr umzugehen. Das ist wichtig, sonst verwandelt sie sich in Hass. Auch Hass ist – wie die Liebe selbst – mächtig. Wenn man dort einmal angekommen ist, so muss man es genauso auch verstehen lernen, mit Hass umzugehen. Dann erst ließe sich auch der Hass wieder in Liebe wandeln. Bevor Du jedoch fähig wirst, mit Hass umzugehen, musst Du die Liebe verstehen, sie angemessen und ökonomisch handhaben lernen. Das ist die Grundlage. Wenn Du diese meisterst, wirst Du auch mit schattigen Energien klarkommen. Denn Liebe kommt mit allem klar.

Und wie macht sie das?

Sie liebt einfach. Sie fragt nicht, ob dies oder jenes, dieser oder jener ihrer wert sei, sondern sie liebt einfach, alles, grundlos. Liebe bewertet, begrenzt und interpretiert nicht. Liebe geht auf in sich selbst, in ihrem ursprünglichen Wesen. Sie sucht keine Antworten und hat keine Fragen. Liebe ist einfach.

Bruno Würtenberger

Bruno Würtenberger

Autor & Bewusstseinsforscher 

Bruno Würtenberger geb. 1960 in Zürich ist Bewusstseinsforscher mit Leib und Seele. Er lebt zurückgezogen im Zürcher-Oberland, hat einen Sohn und eine große Vision, nämlich: Eine friedliche, glückliche und erfolgreiche Gemeinschaft aller Menschen welche in Harmonie mit der Natur leben.

Er entwickelte das FreeSpirit®-Bewusstseinstraining, schrieb mehrere Bücher, darunter der Bestseller ‚Klartext‘.